Aktuelle Ausgabe

Stadtbäume

Erschienen: 25. Mai 2016

Editorial

Sabine Wolf

 

 

Das Schicksal vieler Bäume ist, dass sie für die meisten ­Menschen einfach nur da sind. Jahr ein, Jahr aus. Das Laub färbt sich bunt, fällt ab, im Frühjahr spriesst frisches Grün. Wenn wir laufen lernen, bieten sie uns Halt, im Alter wieder. Einige blühen besonders schön, wie Magnolie oder Kirsche. Die Aufmerksamkeit für Letztere ist in Japan kulturell ver­ankert: Hanami (japanisch 花見, «Blüten betrachten») ist die japanische Tradition, im Frühjahr die ausserordentliche Schönheit der in Blüte stehenden Kirschbäume zu feiern. Den Bäumen wird eine Wertschätzung entgegengebracht, die ­hierzulande unbekannt ist.

Was aber, wenn sie weg wären? Wenn sich das Klima zu ­ihren Ungunsten wandelte? Der Stadtbaum am Ende der Strasse­ gefällt würde, weil er der neuen Leitungsführung ­entgegen stünde? Sie bei Planungen vergessen gingen oder wegen der vielen Unterbauungen keine Chance hätten?

Nicht erst ihr Verlust sollte uns alarmieren, denn die entsprechenden Weichen stellen wir heute. Der Zeitpunkt für eine breite gesellschaftliche Diskussion zum Wert des Baums und zur Sicherung seiner Existenzbedingungen ist günstig: Mit der Debatte um Innenverdichtung steigt nicht nur die Expertenangst vor dem Verlust alter Stadtbäume und geeigneter Baumstandorte, auch eine interessierte Bürgerschaft nutzt ihre Mitsprache­möglichkeiten und bringt das Bedürfnis nach baumbestandenen Freiräumen mehr und mehr in die Partizipationsverfahren ein. So entstehen in Neubauprojekten hier und da wieder ­Allmenden mit Nutzbäumen. Auch im Rahmen der aktuellen Commons-Strategien, die Kommunen vielerorts aktiv unter­stützen, indem sie Obstbäume in öffentliche Grünanlagen ­pflanzen. Wobei Nutzbäume ohnehin eine wachsende Lobby hinter sich ­haben: Rasch wachsende und gut vernetzte Projekte wie mundraub.org verfolgen das Ziel, in Vergessenheit ­geratene Früchte wieder in die Wahrnehmung zu rücken, um sie als Teil unserer Kulturlandschaft und für die Biodiversität zu erhalten. Auf einer interaktiven Karte sind weltweit, mit Schwerpunkt Europa, ­Bäume und Areale zum Selbsternten eingetragen. Und auch der einfache Strassenbaum bekommt derzeit Zuspruch, nicht zuletzt wegen seiner positiven Aus­wirkungen auf das Stadtklima – der urbanen Resilienzdiskussion sei Dank.

 

Über Trends und Moden hinweg werden vor allem unsere Stadtbäume aber nur dann langfristig gesichert werden können, wenn es dafür vorausschauende Planungen und Strategien, ­besonders auch verbindliche Regelungen und Vorschriften gibt. Sie fehlen heute leider weitgehend. Der Zeitpunkt zum Handeln ist gekommen.

 

 

Inhaltsverzeichnis

  • Alexandre Marchand: Der Stadtbaum im Wandel der Zeit
  • Dominique Ghiggi: Der Pfingstweidpark
  • Sandra Gloor, Margrith Göldi Hofbauer: Der ökologische Wert von Stadtbäumen
  • Dr. Susanne Böll: Strassenbäume im Zeichen des Klimawandels
  • Fritz Bächle: Hirschmattquartier Luzern
  • Roger Beer: Baumfällgenehmigungen in Genf
  • Martin Erb: Erhalt und Sicherung alter Bäume
  • Jürgen Faiss: Bauminventare
  • Martin Biedermann, Hans-Peter Rohler: Baumkonzepte
  • Robert Perroulaz, Séraphin Hirtz: Die Schule der Bäume>> Artikel
  • Felix Naef: Akzente setzen
  • Ivan Josi: Koalition der Pflanzen
  • Brigitte Vogel: Nachtigallenwäldeli in Basel
  • Sophia Carstensen: Raumwirkung und Atmosphäre von Stadtbäumen
  • Gudrun Hoppe: Garanten für Lebensqualität in der Stadt>> Artikel

 


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