Aktuelle Ausgabe

Mehrwert Landschaft

Erschienen: 21. November 2014

Editorial

Sabine Wolf

 

Naherholungsmöglichkeiten und Landschaftsqualitäten haben steigenden Einfluss auf die Standortwahl von Familien und Unternehmen. Sie gehören damit zu den zentralen Stellgrössen im globalen Wettbewerb um wirtschaftliche Prosperität und Attraktivität. Wo internationale Konzerne Landschaft als Ressource für ihre Profilierung entdecken, wird viel Geld in aufwändig gestaltete Freiräume investiert. Aus fachlicher Per­spektive ist diese Entwicklung nicht unproblematisch: Wenn Kommunen das Zepter aus der Hand geben und die Gestaltung des öffentlichen Raums ökonomischen Regulativen überlassen, geht auch dessen Lesbarkeit verloren.

 

Es stellt eines der elementaren Menschenrechte, die Versammlungsfreiheit, infrage, wenn nicht mehr sichtbar ist, wo die Grenzen zwischen öffentlich und privat verlaufen – und damit auch, wer die Spielregeln bestimmt. Die politische wie fachliche Diskussion zu den Akteuren im öffentlichen Raum und dessen Bedeutung für Individuum und Gesellschaft ist überfällig. Und sie ist dringlicher denn je, weil leere Haushaltskassen nicht zulasten der Freiraumqualität gehen dürfen. Es ist eine mehr als fragwürdige Entwicklung, dass der urbane Freiraum, und mit ihm die Fachdisziplinen, im zunehmend hart ausgefochtenen Verteilkampf um Gelder regelmässig hinten ansteht, während er gleichzeitig in internationalen Rankings als Ressource für Lebensqualität Treppchen für Treppchen nach oben klettert und längst mehr als ein Softfaktor ist.

 

Wir zehren von der Substanz. Wo stünden wir heute ohne die grossen Stadtparks, Spielplätze und Uferanlagen des 19. Jahrhunderts, die den städtischen Raum bereichern und prägen? Wenn der Mitteleinsatz in den öffentlichen Raum derzeit hauptsächlich in Unterhalt und Pflege, nicht aber in die Entwicklung qualitativ hochwertiger Freiräume investiert wird, liegt das auch daran, dass die Landschaftsarchitektur als Disziplin gerade jetzt, da sie als Anwältin der Landschaft nötiger denn je wäre, scheinbar an gesellschaftlichem Stellenwert eingebüsst hat. Wir dürfen den Stadtraum als Plattform des öffentlichen Lebens nicht leichtfertig aufs Spiel setzen. Es braucht neue Instrumente und Strategien und es ist Zeit, zu handeln.

 

 

Ende Oktober fand in Basel der dritte, gemeinsam von BSLA und IBA Basel 2020 organisierte Landschaftskongress zum Thema «Mehrwert Landschaft» statt. anthos ist erneut Medienpartner und präsentiert in dieser Ausgabe die zentralen Ansätze der Referentinnen und Referenten. Ergänzend haben wir weitere Autorinnen und Autoren eingeladen, sich am Diskurs zu beteiligen. Zur besseren Übersicht sind die Kongressbeiträge mit ­einem gelben Band am unteren Seitenrand gekennzeichnet.

 

 

Inhaltsverzeichnis

  • Landschaftskongress: Programm / Zwischenrufe zur Landschaft 2014
  • Stefan Klein: Die Ökonomie des Glücks
  • Nicole Uhrig: Vom Wert des Freiraums für Unternehmen>> Artikel
  • Lars Ruge: Novartis Campus: Erfolg durch mehr Grün?
  • Lukas Schweingruber: Mehrwert Landschaft in der Agglomeration?
  • Lorette Coen: Das rote Herz von Genf
  • Cécile Léonhardt: Natur als Innovation für den Städtetourismus
  • Salomé Mall, Andreas Courvoisier: Von der geschlossenen zur offenen Landschaft
  • Sarah Bösch: Landschaftsqualitätsprojekte: Chancen oder viel Lärm um nichts?
  • Thomas Kemme: Blau-grüne Infrastruktur
  • Cyril Kennel: Orte zum Mitnehmen: Swissness verkauft sich gut>> Artikel
  • Roger Keller, Norman Backhaus: Blicke auf die Landschaft
  • Wolfram Kägi: Landschaftsqualität als Standortfaktor
  • Volker Schopp: Landschaft geniessen!
  • Bernd Hansjürgens, Urs Moesenfechtel: Monetäre Bewertung von Landschaft
  • Berno Strootman: Ganzheitliche Entwurfsansätze – Beispiele aus den Niederlanden
  • Susanne Fischer: Der Landschaftspark Wiese als IBA-Projekt


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