Aktuelle Ausgabe

Schweizer Bauerngärten

Erschienen: 23. Februar 2018

Editorial

Sabine Wolf 

 

Mit dem Jahreswechsel hat auch das «Europäische Kulturerbejahr 2018» begonnen. Ausgelobt und lanciert von der Europäischen Kommission unter dem Motto «Sharing Heritage» hat es bereits im Vorfeld erfrischend viele Diskussionen ausgelöst. Gibt es das, ein gemeinsames europäisches – grenzenloses – Kulturerbe? Prägt die gesellschaftliche Selbstwahrnehmung zugleich die Identität oder sind es die Zuschreibungen von aussen? Nimmt der Schweizer Bergbauer seine Landschaft, die ihm einen harten, häufig verlustreichen Alltag aufbürdet als ebenso malerisch und einmalig wahr wie der Tourist, der sie zur Erfüllung seiner klischierten Vorstellung (ge)braucht? 

Was bedeutet die Zuschreibung eines Kulturerbes für die Entwicklungspotenziale von Landschaften, Regionen und Orten? Sind sie damit zur Konservation des Ehemaligen verdammt oder ist ihre auch rigorose Transformation legitim? Für Furore gesorgt hat vor wenigen Jahren der «Dresdner Brückenstreit», die ab Mitte der 1990er-Jahre geführte Kontroverse um die Errichtung einer zusätzlichen Elbequerung in Dresden: Der Bau der vierspurigen innerstädtischen Waldschlösschenbrücke führte 2009 zur europaweit bislang einmaligen Aberkennung des Welterbetitels für die Kulturlandschaft Dresdner Elbtal. Quo vadis Kulturerbe? 

Insgesamt 19 Länder, darunter die Schweiz, nehmen mit nationalen Programmen am Kulturerbejahr 2018 teil – der BSLA zählt zu den offiziellen Schweizer Trägerorganisationen – und machen sich multiperspektivisch auf die Suche nach Antworten. Unzählige Projekte verfolgen verschiedenste Spuren; darunter eine Veranstaltung zur «Märklinmoderne» in Frankfurt (Main), in der den Häuschen-Bausätzen für die Modell-Eisenbahn auf den Grund gegangen wird. Der Bausatz «Villa im Tessin» übrigens ist legendär und ein Klassiker.

Der Stellenwert der alpinen Schweizer Landschaften, die einst schon die Söhne des europäischen Adels im Rahmen der Grand Tour zunächst ob der Beschwerlichkeiten und der Schroffheit der Natur bei der Überquerung der Alpen gen Italien in Furcht versetzten, später begeisterten und die Schweiz selbst zum Reiseziel werden liessen, ist seit dem 18. Jahrhundert unbestritten und hat seinen festen Bestandteil im kulturellen Erbe Europas.

Der Schweizer Bauerngarten ist ein ebenso wichtiger, als Nutzgarten häufig vernachlässigter Teil unseres gelebten Kulturerbes, der auch über das gemeinsame Tun Menschen unterschiedlicher Herkünfte miteinander verbindet und in diesem Sinne aktiv an einer grenzenüberwindenden Identität mitwirkt. Dass zumeist Frauen darin aktiv waren und sind geht in der Geschichtsschreibung ebenso regelmässig unter. 

Wir widmen dem Kulturerbe Bauerngarten diese Ausgabe.

 

 

Inhaltsverzeichnis

  • Roman Häne: Charakteristische Diversität
  • Yvonne Christ: Vielfalt und Individualität als Konstanten
  • Benno Furrer: Nicht nur blumige Flächen vor dem Haus
  • Christoph Schläppi: Jenseits von Gegenstand und Abstraktion
  • Roman Häne: Traditionen im Schweizer Mittelland
  • Karin & Frank Stössel: Gartensteckbrief
  • Niklaus von Fischer: Das Reich der Frau
    >> Artikel
  • Anna-Katharina & Heinz Schwab: Gartensteckbrief
  • Ursula Yelin, Stephan Aeschlimann Yelin: «Wo Milch und Honig fliesst»
  • Regula Näf-Rudin: Gartensteckbrief
  • Catherine & Bernard Theubet: Gartensteckbrief
  • Agathe Caviale: Altes Wissen bewahren
  • Anne-Lise Thürler: Gartensteckbrief
  • Daniele Ryser: Ein einziger grosser Gemüsegarten aus Hügeln und Tälern
    >> Artikel
  • Roman Häne: Bauerngärten im Appenzellerland
  • Rita Illien: Graubündens Bauerngärten
  • Johannes Stoffler: Mehr als nur Bauerngärten
  • Annemarie Bucher: Pop oder Pastiche? Bauerngärten als Bedeutungsträger

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