Landschaft und Kunst

Erschienen: 25. Februar 2009

Editorial

Bernd Schubert

 

«Kunst und Natur im Pas de deux» überschreibt Jacqueline Burckhardt ihren Artikel. Leicht abgewandelt könnte das auch Motto dieses Heftes sein. Der Pas de deux, der einer Choreografie folgende Tanz zu zweit, ist natürlich nicht der Normalfall in der Zusammenarbeit zwischen Künstlern und Landschaftsarchitekten. In Wirklichkeit sind die Beziehungen viel differenzierter. Sie reichen vom gemeinsamen Erarbeiten eines Projektes, in das jeder seine Stärken einbringt, über das Einfühlen in eine vorgegebene, vom Einen oder Anderen geschaffene Situation, bis hin zum inhalt- und bezuglosen Aufstellen eines Kunstwerkes in einem öffentlichen Raum oder in einer Landschaft.

 

Die Frage der Zusammenarbeit stellt sich uns laufend, am Einzelobjekt oder auch grundsätzlich; sie ist Thema in so manchem anthos-Heft. Im vorliegenden Heft gehen wir über diese Fragestellung hinaus. Wir suchen Antworten zur Rolle der Kunst im öffentlichen Raum und in der unbebauten Landschaft generell, in einem Raum, der heute einer zunehmenden Ästhetisierung, Festivalisierung und Kommerzialisierung unterliegt, der vollgestopft ist mit Elaboraten der Werbeindustrie. Welche Inhalte und Werte kann und soll die Kunst hier noch vermitteln, welche Funktionen erfüllen? Angesprochen wird dabei dauerhafte wie auch temporäre Kunst, die traditionelle bildende Kunst, aber auch Aktions- oder Prozesskunst.

 

Kunst hat eine gesellschaftliche Verantwortung. Sie soll auch provozieren, wie Dorothea Strauss schreibt, zum Denken und zum Diskurs anregen (Artikel Seite 4). Sich über drei im Baum hängende «Kinderleichen zum Frühstück» zu echauffieren, ohne über Schmerz und Grausamkeit und deren Hintergründe nachzudenken, genügt nicht.

 

Von bemerkenswerter sozialer Relevanz sind die Werke von Thomas Stricker (Artikel W. Fehrer). Statt das Wasserwerk in Düsseldorf mit einem schönen Kunstobjekt zu schmücken, durchbohrt er imaginär die Erde und lässt mit dem budgetierten Geld auf der anderen Seite, in einem kenianischen Dorf, einen Brunnen graben, der Leben spendet. Von Düsseldorf aus kann man dies «besichtigen», und auch das Eröffnungsfest der Dorfbewohner gehört zum Gesamtkunstwerk.

 

Der «Pas de deux» spielt erstmals auf einer neuen Bühne. Von diesem Heft an wird anthos mit einem neu gestalteten Layout erscheinen. Die Hauptziele dieses Redesigns waren: optisch mehr «Ruhe» und weniger «Dichte», vor allem durch Weglassen der kursiven Schrift für die französische Sprache, das Zusammenfassen der bisher auf zwei Seiten verteilten deutschen und französischen Titel, durch weniger und dafür grössere Bilder, Verlegen der Randspalten nach innen und deren Entlastung von allzu vieler Schrift.

 

Viel Freude am neuen Heft!

 

Inhaltsverzeichnis

  • Drei Kinderleichen zum Frühstück > zum Artikel
  • Das Leutschenlicht
  • Wechselspiel
  • Kunst und Natur im Pas de deux > zum Artikel
  • Landschaft als Rückversicherung
  • Kulturgut Schrott
  • Skulpturale Fragen – zum Werk von Thomas Stricker
  • BärenPark Bern
  • zur_seite
  • Von der Kunst, einen Raum zu gestalten
  • Landschaftspark und Skulpturen-Triennale
  • Spektakel im Garten: neu sehen lernen
  • Die Reise als Architektur der Möglichkeiten
  • Skulpturen am Ende ihrer Laufbahn

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