Landscape Urbanism

Erschienen: 24. Mai 2013

 

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Editorial

Sabine Wolf

 

Ende der 1990er-Jahre, als der Urban Sprawl die Siedlungsentwicklung in den USA prägte, die Phase der Desurbanisierung voll in Gang war und Re-Urbanisierung nicht in Sicht, prägte der amerikanische Landschaftsarchitekt Charles Waldheim den Begriff des Landscape Urbanism. Er verband damit die Idee, Landschaft als Ausgangspunkt und ordnende Struktur für räumliche Entwicklungen zu begreifen; als «Grundbaustein des zeitgenössischen Städtebaus». In der Folge entspann sich vor allem in den USA eine lebendige Diskussion über die damit verbundene zentrale Position der Landschaftsarchitektur auf dem Weg zu einer zukunftsfähigen Siedlungsentwicklung.
Die Debatte prägt längst auch Europa und die Schweiz, ins Zentrum gerückt ist das Schlagwort der Nachhaltigkeit. Obgleich der Containerbegriff vielfach in der Erwartung überladen und in der Zielformulierung zu wenig präzise ist, bedeutet er im Kern jedoch unumstösslich: Ein Umdenken – auch jedes einzelnen – ist nötig; nachhaltige Siedlungsentwicklung muss als ­Gesamtraumentwicklung verstanden werden. Dabei geht es um die differenzierte Auseinandersetzung mit Systemen und Strukturen, Nutzungen und Funktionen – vor allem aber um Raumqualitäten.
Die zeitgemässe Übersetzung des Landscape Urbanism wäre entsprechend, die Siedlung künftig nicht nur aus der Landschaft heraus zu denken, sondern an und für sich als Landschaft zu entwickeln, als dynamischen Raum, integrativ per Definition. Dies hiesse auch: Stadtentwicklung als breit abgestützten Prozess zu verstehen. Pluralität zu suchen und Partizipation zu fördern. Unplanbares zu ermöglichen und informelle Planungen wertzuschätzen. (Stoff)Kreisläufe zu unterstützen, transdisziplinär zu arbeiten, Vernetzung zu stärken und Überlagerungen zuzulassen. Über den eigenen Tellerrand zu schauen. Neue Wege zu gehen. Ökonomische, ökologische, politische, strategische, infrastrukturelle, stadtplanerische und umweltbezogene Aspekte stärker zu berücksichtigen. Und immer geht es dabei auch um Identität, den Ort und den Einbezug des kulturellen Erbes.
Ein so verstandener Landscape Urbanism wäre Instrument und Inhalt zugleich; ein disziplinen- und massstabsübergreifender Generationenauftrag. In dieser Ausgabe tragen wir exemplarische Realisierungen und Ansätze zusammen.
Viel Vergnügen!

 

Inhaltsverzeichnis

  • Antonio Da Cunha, Sonia Lavadinho: Landschaft, öffentlicher Raum und urbane Qualität > zum Artikel
  • Jessica Bridger: Superkilen 
  • Sabine Wolf: Bishan-Ang Mo Kio > zum Artikel
  • Alexandre Chemetoff: Ile de Nantes oder die Stadt am Werke
  • Laure Aubert, Damien Butin: Von Ufer zu Ufer
  • Klaus Overmeyer: Stadtentwicklung selbst gemacht
  • Nicole Uhrig: Grün als Wirtschaftsmotor?
  • André Schmid: Neue Stadtparks – ausserhalb der Stadt
  • Lukas Schweingruber: Glatt. Eine Identität ­abseits der Kernstadt?
  • Raimund Rodewald: Zwischen Verdichtung und Lebensqualität
  • Ingo Golz, Matthias Wehrlin: Räumliche Entwicklungsstrategien – Grundlage des freiraumbasierten Städtebaus
  • Stéphanie Perrochet: Stadtentwicklung Zürich-Manegg

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