Zooarchitektur

Erschienen: 22. Mai 2015

 

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Editorial

Sabine Wolf

 

Schon seit Jahren ist eine grosse, internationale Revolution im Gange, die es kaum in die grossen Feuilletons schafft. Vielleicht in die Lokalteile der Zeitungen. Dabei ist Paris ebenso betroffen wie Zürich, Basel, Köln und Stuttgart, London, Wien, Barcelona und Sankt Petersburg. Und nicht nur das, im Zuge des Umbruchs ist ein hoch spezialisierter Aufgabenbereich für Landschaftsarchitekten und -planer entstanden – ohne, dass dieses Wissen an Hochschulen gelehrt wird. Es mag trivialer klingen als es ist: die Zooarchitektur. Wo Tiere in allerlei Grösse und aus vielerlei Ländern früher im Klein-Klein von Gehege an Gehege zur Schau gestellt wurden, laden heute aufwändig gestaltete und inszenierte Landschaften zum Erlebnis für die ganze Familie ein. Selten jedoch bietet sich die Chance für Neugründungen. Und so gilt es, die Anlagen zoologischer Gärten, einst errichtet in der bildungsbürgerlichen Tradition des 19. Jahrhunderts und in der Zwischenzeit meist bereits mehrfach angepasst, erneut für die gewandelten Anforderungen zu überarbeiten.

Längst verschwindet die notwendige, zunehmend als störend empfundene funktionale Architektur mehr und mehr aus dem Blickfeld der Besucher. Stattdessen schwingen sich Pfade in luftige Höhen, queren Gehege mit exotisch klingenden Namen knotenfrei in der Luft und wirken nebenbei noch didaktisch. Organisch fügen sich die Anlagen in ihre Umgebung ein, arbeiten mit altem Baumbestand und lokaler Topografie, die hier und da inszenatorisch freilich überhöht wird. Ökologie und Verhaltensforschung beeinflussen die Raumkonzeptionen der Planer, hinzu kommen die Auflagen internationaler Artenschutz- und Erhaltungszuchtprogramme. Der Spagat zwischen einer natur­illusionistischen Gestaltung im Publikumsbereich und den funktional orientierten Anforderungen der Stallungen ist immens. Steigende Besucherzahlen belegen ein öffentliches Interesse, das die Zoos als Grossunternehmen mit ständig neuen Angeboten erweitern: Erlebnisführungen, Hochzeiten in exotischem Ambiente, Restaurants und Shoppingangebote auf dem Areal, Besucherzentren und Pinguinparaden.

Diese leise globale Revolution könnte sich zu einer Win-win-Situation entwickeln: Artgerechter gehaltene Tiere, erlebnisgesättigte grosse und kleine Besucher und international vernetzter Artenschutz. Schön wäre natürlich, wenn auch die grosse Leistung der transdisziplinären Teams, die die Gestaltungen entwickeln und umsetzen, breiter publik würde.

 

Wir freuen uns sehr, dass wir für die Ausgabe Christina May als Expertin und Gastredaktorin gewinnen konnten. Die Zooplanung als Berufsfeld weist nicht nur eine hohe Spezialisierung auf, sie hat auch ein eigenes Fachvokabular. Der besseren Verständlichkeit wegen war Christina May so freundlich, ein Glossar der wichtigsten Begriffe zusammenzustellen. 

 

 

 

Inhaltsverzeichnis

  • François Gay: Natürliche Architektur
  • Walter Vetsch: Wohin die Reise führt
  • Lorenz Eugster: Stefan Schrämmli: Symmetrie und Exotik
  • Hubert Möhrle: Afrikanische Menschenaffen in der Wilhelma
  • Jan-Erik Steinkrüger: Über Inszenierungen von Natur
  • Peter Drecker: Die Landschaft kehrt in die Zoos zurück
  • Kilian Jost: Zoofelsen aus Zürich
  • Becca Hanson: I Can’t Hear You
  • Till Rehwaldt: Kattaanlagen in Dresden und Erfurt
  • Monika Fiby: Neues Berufsbild: Zooplanung
  • Jacqueline Osty: Die Verwandlung des Pariser Zoos >> Artikel
  • Kieran Stanley: Erlebnisarchitektur
  • Andras Jambor: Der neue Zoo von Sankt Petersburg >> Artikel
  • Christina Katharina May: Glossar

 


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