Wohnumfeld

Erschienen: 12. September 2008

Editorial

Bernd Schubert

 

In der Schweiz gibt es heute 3,8 Millionen Wohnungen für 7,6 Millionen Menschen. Jährlich werden rund

40 000 zusätzliche erstellt, eine Sättigung ist nicht in Sicht. Mit existenzieller Notwendigkeit hat dieser Neubau nichts zu tun. Wir bauen heute für den Wohl-

stand, für einen immer höheren Wohnungsstandard.

 

Die Qualität der Wohnungen spiegelt sich jedoch wenig in der Architektur und – von Ausnahmen abgesehen – schon gar nicht im Städtebau wider. Bauliches Chaos und Beliebigkeit dominieren das Siedlungsbild landauf, landab. Einzelne architektonische Perlen können da nichts retten. Im städtischen Kontext entstehen seit den 90er-Jahren meist Grossformen mit hoher – oft unbewältigter – Ausnutzung, einfache Kuben mit viel Glas, grossen Balkonen oder Loggien. Bauliche Dichte ist das Kredo. Soziale Dichte und Nutzungsvielfalt – elementare Bedingungen für Urbanität – bleiben auf der Strecke. Das Denken hört in der Regel an der Parzellengrenze auf.

 

Natürlich versuchen die Städte, in ihren Entwicklungsgebieten mit kooperativen Planungs- und Projektierungsverfahren bessere Lösungen zu erarbeiten, bei denen auch freiraumplanerische Überlegungen eine Rolle spielen, wie wir in anthos 4/07 («Entwicklungsgebiete») gezeigt haben. Doch zur Rendite gibt es scheinbar keine Alternative.

 

Zum Wohnen gehört auch das Wohnumfeld, der Freiraum – seine soziale, ästhetische und ökologische Qualität, seine Nutzbarkeit. anthos 3/08 setzt hier einen Schwerpunkt. Vorgestellt werden landschaftsarchitektonische Lösungen in verschiedenen neueren Siedlungen. Thema ist aber auch die Erneuerung von Siedlungen früherer Jahrzehnte mit ihrem Wohnumfeld, wie die der Genossenschaftssiedlungen in Schwamendingen oder der Cité Radieuse von Le Corbusier.

 

Einen Kontrapunkt zu den aktuellen Grossformen wie auch zu den üblichen freistehenden Einfamilienhäusern der Peripherie setzt das niederländische Vinex-Konzept. Ebenfalls dicht gebaut – Grundtyp ist das Reiheneinfamilienhaus –, sind die Siedlungen familienfreundlich, haben grosse Wohnungen und einen eigenen Garten, die Quartiere sind gesamthaft attraktiv gestaltet.

 

Landschaftsarchitektur darf sich nicht in der Gestaltung des einzelnen Objektes erschöpfen. Diese ist wichtig, aber allein nicht genügend. Sie muss sich massgebend in die Entwicklung eines übergeordneten städtebaulichen Konzeptes einbringen, neuen Siedlungen eine robuste Struktur geben, die im Idealfall der baulichen Entwicklung vorauseilt, wie der Beitrag «Weitblick» zeigt.

 

Inhaltsverzeichnis

  • Weitblick
  • Randlage wird zur Stadt – Wohnsiedlung Werdwies, Zürich
  • Zwischen Stadt und Land – Aspholz Nord Zürich 
  • Stadtsiedlung Talwiesen > zum Artikel
  • Das Vinex-Konzept
  • Wohnräume sind Lebensräume
  • Die Kunst lebendiger Architektur
  • Das dem Aussenraum gewidmete Gebäude
  • «La Cité Radieuse» und ihr Garten
  • Freiraumqualität und bauliche Verdichtung in Schwamendingen > zum Artikel
  • Ökologischer Ausgleich und Dachbegrünung

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